Geschichte der Stammbahn

Die Stammbahn entstand 1838 als Eisenbahnverbindung zwischen Potsdam und Berlin. Sie war die zweite Bahnstrecke in Deutschland und die erste in Preußen - der „Stamm“ des preußischen Bahnnetzes. Bis 1846 wurde sie nach Magdeburg verlängert; später fuhren über die Stammbahn Fernzüge bis in das Ruhrgebiet und nach Frankfurt am Main. Eine große Bedeutung hatte die Strecke auch im Vorort- und Regionalverkehr für Berlin und Potsdam. Mit der Zerstörung der Brücke über den Teltowkanal im April 1945 endete der Fern- und Vorortbetrieb auf der Stammbahn. Bis 1980 fuhr noch ein S-Bahn-Pendelverkehr zwischen Zehlendorf nach Düppel; dann fand die Bahngeschichte auf der Traditionslinie ihr vorläufiges Ende.


1838

Die Stammbahn wird in zwei Abschnitten eröffnet: Am 22. September zwischen Potsdam und Zehlendorf, am 29. Oktober zwischen Zehlendorf und Berlin. Sie ist damit die erste Eisenbahnstrecke in Preußen. Bereits ein Jahr später kommen die Bahnhöfe in Steglitz und Schöneberg hinzu. Bis 1846 wird die Strecke über Brandenburg a.d. Havel bis Magdeburg verlängert werden.

Der Potsdamer Bahnhof in Berlin 1843
in einem Stahlstich von C. Schulin

(Quelle: Wikimedia commons)

1874

In Zehlendorf abzweigend wird eine Nebenstrecke über Schlachtensee und Wannsee gebaut, die in Griebnitzsee wieder auf die Stammstrecke trifft. Betreiber des Baus dieser Bahnstrecke, die später als „Alte Wannseebahn“ bezeichnet werden wird, waren Grundstücksbesitzer, die im Bereich Schlachtensee-Wannsee Land als Siedlungsfläche entwickeln wollten.

1891

Auf Grund des immer weiter zunehmenden Vorortverkehrs werden parallel zur Stammbahn zwei separate Vorortgleise zwischen dem Potsdamer Bahnhof in Berlin und Zehlendorf („Neue Wannseebahn“) gebaut. Zwischen Zehlendorf und Griebnitzsee nehmen die Vorortgleise den Umweg über die „alte Wannseebahn“ und bilden zusammen mit dieser die heute noch bestehende Wannseebahn. Heute fahren hier die S-Bahnlinien S1 bis Wannsee und S7 von dort weiter nach Potsdam. Da die Wannseebahn den Lokalverkehr bedient, fahren die Züge der Stammbahn zwischen Zehlendorf und Potsdamer Bahnhof ohne Zwischenhalt.

1907

Erstmals fahren auf der Stammbahn die sogenannten Bankierszüge, die auf der Wannseebahn von Wannsee kommend bis Zehlendorf fahren, um von dort auf den Gleisen der Stammbahn ohne Halt zum Potsdamer Platz zu fahren. Die Schnelligkeit dieser Züge - sie fuhren bis zum Ende des 2. Weltkrieges und benötigten für die Fahrt von Zehlendorf zum Potsdamer Platz rund 10 Minuten - ist bis heute unerreicht.

1933

Die Gleise der Stammbahn und der Wannseebahn werden zwischen Zehlendorf und dem Potsdamer Bahnhof in Berlin für die Züge der S-Bahn elektrifiziert.

1939

Neben dem Fernverkehr findet auf der Stammbahn ein dichter Vorortverkehr zwischen Werder, Potsdam und Berlin-statt. Zur Hauptverkehrszeit fahren die Züge ab Potsdam Park Sanssouci und Charlottenhof alle zehn Minuten zum Potsdamer Platz. In diesem Jahr wird der Haltepunkt Düppel/Kleinmachnow eröffnet.

Zug auf der Stammbahn bei Dreilinden um 1935
(Foto: Historische Sammlung der DB AG)

1945

Im 2. Weltkrieg werden wichtige Anlagen der Stammbahn zerstört, so auch die Brücke über den Teltowkanal. Der verbleibende Eisenbahn-Fernverkehr wird auf andere Strecken, insbesondere die Stadtbahn konzentriert. Die Stammbahngleise zwischen Düppel und Griebnitzsee werden demontiert. Zwischen Zehlendorf und Düppel verkehrt im Pendelverkehr ein Dampfzug für die Bürger*innen Kleinmachnows.

1948

Die Strecke von Zehlendorf nach Düppel/Kleinmachnow wird für die S-Bahn elektrifiziert.

1961

Mit der Teilung Berlins durch den Mauerbau wird der Wiederaufbau der Stammbahn für der Fern- und Vorortverkehr unmöglich Der Bahnhof Düppel-Kleinmachnow liegt nun direkt an der Mauer in West-Berlin. Kleinmachnow verliert endgültig seinen Bahnanschluss. Erst 12 Jahre später verschwindet Kleinmachnow auch aus dem Bahnhofsnamen, der Bahnhof heißt ab 1973 nur noch "Düppel".

S-Bahn am Bahnhof Düppel/­Kleinmachnow im Jahr 1962
(Foto: Sigurd Hilkenbach)

1980

Die Deutsche Reischbahn nimmt den Streik der S-Bahner zum Anlaß, zahlreiche S-Bahn-Strecken in West-Berlin stillzulegen. Dazu zäjlen auch auch die Wannseebahn (heute S1) und die Strecke Zehlendorf - Düppel, dem letzten im Personenverkehr betriebenen Abschnitt der Stammbahninnerhalb Berlins!

1992

Das Bundesverkehrsministerium bestätigt das sogenannte Pilzkonzept für den Wiederaufbau der Bahnstrecken in sowie von und nach Berlin. Die Stammbahn ist integraler Bestandteil des Konzepts. Zwar wird der Nord-Süd-Fernbahn-Tunnel gebaut, doch mehrere Zulaufstrecken fehlen bis heute und führen zu einer nur mäßigen Auslastung des Tunnels. Hierzu zählt auch die Stammbahn.

1994

Auf dem westlichen Abschnitt der Stammbahn verkehrt erstmals der RE 1, der Magdeburg, Brandenburg a.d. Havel, Werder und Potsdam mit Berlin verbindet. Statt auf der Stammbahn über Zehlendorf und Steglitz muss er ab Griebnitzsee jedoch den Weg durch den Grunewald über die Wetzlarer Bahn zur Stadtbahn nehmen. Der RE 1 wird zur erfolgreichsten Regionalbahnlinie im Raum Berlin-Brandenburg.

1999

Die Bürgerinitiative Stammbahn wird von Bürgerinnen und Bürgern aus Berlin, Kleinmachnow und Potsdam gegründet. Die BI Stammbahn setzt sich für die Wiederinbetriebnahme der Stammbahn für den Personenverkehr zwischen dem Potsdamer Platz und Griebnitzsee und damit für einen wichtigen Lückenschluß im Bahnangebot der Region Berlin-Brandenburg ein.

2015

Die Idee eines Radschnellwegs auf der Trasse der Stammbahn findet Verbreitung. In Reaktion sprechen sich Umwelt und verkehrsverbände, Mandatsträger und Vertreter der Anlieger-Kommunen, Mitglieder des Senats und die Deutsche Bahn AG für den Erhalt der Trasse der Stammbahn als Bahnstrecke und die Wiederaufnahme des Bahnverkehrs aus. Die Stimmen zur Stammbahn dokumentieren die Positionen.

2017

Die Stimmen für die Stammbahn mehren sich in allen politischen Lagern und in fast allen anliegenden Städten und Gemeinden. Der Vertrag der Rot-rot-grünen Koalition in Berlin im Jahr 2016 vereinbart die Reaktivierung der Stammbahn als Regionalbahn als verkehrspolitisches Ziel.

Den Worten müssen Taten folgen. Die Bürgerinitiative Stammbahn wird sich weiter dafür stark machen